Die Rheinpfalz -Bad Dürkheimer Zeitung

Dienstag, den 14. März 2017

 

Kultur Regional
Liebesträumereien
Klavierkonzert mit der südkoreanischen Pianistin Hye Rim Ma im Historischen Freinsheimer Rathaus – Werke von Bach, Liszt, Chopin und Schumann
Von Doris Aust
Der Ratssaal im Historischen Rathaus bot den stimmungsvollen Rahmen für ein kleines, feines Klavierrezital der südkoreanischen Pianistin Hye Rim Ma, die an der Freinsheimer Musikschule unterrichtet. Sie konzertiert als Solistin, Kammermusikerin und Korrepetitorin.
Am Sonntagnachmittag war der romantische Saal bis auf den letzten Platz besetzt, als die junge Pianistin das Programm mit einer Bachkantate eröffnete. Aus der Jagdkantate BWV 208 spielte sie „Schafe können sicher weiden“, die älteste bekannte weltliche Kantate Bachs. Das Stück verbreitet eine friedliche und warme Stimmung, denn Bach komponierte es 1713 aus Anlass des 31. Geburtstags von Christian von Sachsen-Weißenfels als festliche Tafelmusik. In der Arie des Pales liegt die Betonung auf dem religiösen Kontext, dem Motiv des „Guten Hirten“. Im Anschluss folgte die Klavierbearbeitung des Chorals „Jesus bleibet meine Freude“, der zu den meistarrangierten Bachstücken gehört. Die beschwingte Melodie drückt vollendet den festlichen Überschwang barocker Religiosität aus und wurde von der
Pianistin einfühlsam vorgetragen.Dass sie auch den dramatischen Ausdruck im Spiel beherrscht, bewies Hye Rim Ma bei der Klaviersonate Nr. 26 Es-dur op. 81a (Les Adieux) von Ludwig van Beethoven. Sie entstand in den Jahren 1809 und 1810 aus Anlass der Flucht Erzherzog Rudolfs vor den napoleonischen Truppen aus Wien, der zu den bedeutenden
Förderern Beethovens gehörte. Das dreisätzige Werk ist bestimmt von den Motiven Lebewohl, Abwesenheit und Wiederkehr, die diese Gefühlslage deutlich widerspiegeln und von der Pianistin kräftig und ausdrucksstark umgesetzt wurden.
In die Romantik führte das Programm mit dem Liebestraum Nr. 3 As-Dur von Franz Liszt, der 1850 veröffentlicht wurde. Es ist ein Nocturne, das vom Pianisten eine hohe technische Versiertheit verlangt. Die Anfangsmelodie taucht im Werk immer wieder auf und wurde von Liszt dabei mehrfach variiert. Der Liebestraum Nr. 3 ist ein beliebtes Musikstück, das durch Interpreten wie Lang Lang und Richard Clayderman einem breiten Publikum bekannt wurde.
Ein Programmhöhepunkt waren die Balladen Nr. 1 g-moll op. 23 und Nr. 4 f-moll op. 52 von Frédéric Chopin. Der polnisch-französische Komponist übertrug als Erster die epische Form der Ballade auf die Klaviermusik und schuf damit eine neue Gattung, die kontrastierende erzählende Melodien verknüpft.
Leidenschaftliche Passagen wechseln mit gefühlvollen Motiven, die an die Pianistin hohe Anforderungen stellten und das Publikum begeisterten. Hye Rim Ma bedankte sich charmant mit einer passenden Zugabe: „Die Träumerei“ von Robert Schumann, bis heute Inbegriff eines romantischen Klavierstücks.
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